Südamerika Reise Thema: Das KZ von Potosi – Besuch eines Silberbergwerks

Bericht aus der Hölle von Potosi – Besuch eines Silberbergwerk 

Erstmal ein paar Worte zur Stadt Potosi bevor ich zu den Minen komme. Die Stadt liegt im Zentrum auf etwa 4300m Höhe und ist damit die höchste Großstadt der Welt und hat fast 200.000

Einwohner. Die Luft ist extrem dünn und die Bewegungen sind erheblich anstrengender. Ein Tag vorher war ich in einer Stadt mit fast 3000m Höhe und der Unterschied ist nochmal erheblich zu spüren. Die Stadt ist nicht nur extrem hoch gelegen sondern war vielleicht die Ärmste Stadt die ich je besucht hatte. Hier oben wächst fast kein Grashalm und die Leute müssen schauen das diese irgendwie über die Runden kommen. Dementsprechend lag auch eine ganz besondere fast schon skurille und unheimliche Stimmung in der Stadt. Dies war direkt beim Ausstieg am Busbahnhof zu bemerken als ich mit fast schon bettelnden Gesängen empfangen wurde. Mehr dazu im Blogbeitrag Stimmungen in Südamerika – bei Potassi –  http://abenteuerreise-leben.de/stimmungen-aus-suedamerika-kurzvideos-1-minute-aus-dem-moment/

Bilder aus der Stadt Potosi

 

Der 4800m Hohe Cerro Rico machte diese Stadt einst zu einer der reichsten Städte der Welt. Den der Berg war einer der Berge mit den reichsten Silberadern nach dem Eintreffen der Spanier in Südamerika. Im Zentrum ist dies auch noch durch dutzende koloniale Prachtbauten erkennbar. Drumherum herscht dagegen eine bittere Kälte und Armut. Nachdem jemand Silber in dem Berg entdeckt hatte wurde die Stadt Mitte des 16.jahrhunderts von den Spaniern gegründet. Dabei wurden umliegende Bewohner zur Arbeit gezwunge indem diese Tribut in Form von Arbeitskraft an ihre Herrscher bezahlen mussten. Um 1650 lebten hier 160.000 Menschen , damit die 2.Größte Stadt damals (!). In 3 Jahrhunderten wurden hier mehr als 60.000 Tonnen Silber abgebaut (Größter Anteil an Staatskasse Spaniens) was sogar zeitweise in Spanien zu einer Inflation bei Silber führte (heute kaum vorstellbar). Für die Ureinwohner war dieser Ort ein lebendges KZ. Die brutale Arbeit konnte nur durch das Kauen von Cocablättern durchgehalten werden. Entweder verunglückten die Arbeiter in den Stollen , den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen oder an den Vergiftungen von Quecksilber. So sind bis ins 18. Jahrhundert etwa knappe 8 Millionen Indigenas hier an den unfassbaren Bedingungen gestorben. Im 18. jahrhundert waren die Vorkommen weitgehend erschöpft, die Umgebung durch Quecksilber vergiftet und die Einwohnerzahl auf unter 10.000 gesunken. Durch den Abbau von Zinn erlebte die Stadt dann später einen erneuten Aufschwung.

Genug Vergangenheit: Wie sieht es heute aus ?  In der Mine ist es Tradition den Arbeitern bei einem Besuch etwas zu schenken. Wie Beispielsweise Akohol, Zigaretten, Cocablätter oder Dynamit. Ich hatte ihnen Cocablättern gekauft und selbstverständlich Dynamit für mich gekauft – denn wenn hat man nochmal die Chance … – Im Gegensatz zu Europa kann man hier Dynamit ohne jeglichen Schein einfach wie in jedem Supermarkt einkaufen. 😉   Heute arbeiten die Arbeiter 6h am Tag und 6 Tage die Woche normalerweise. Sicherlich weniger als in früheren Zeiten. Jedoch wird sehr oft Nachts schwarz gearbeitet, auch durch Kinder um sich etwas mehr zu verdienen.  Der Altersdruchschnitt der Arbeiter liegt in etwa bei 45 Jahren. Kein Wunder bei dieser Höllenarbeit und dieser unglaublich dünnen Luft. Hinzu werden die Lungen durch die giftigen Gase zerstört. Mehr Details konnte ich mir leider nicht behalten.

Vor der Explosion durch Dynamit müssen zuerst Sprenglöcher durch die Arbeiter gebohrt werden. Danach kann das Loch mit Dynamit gefüllt werden. Die Rohstoffe werden dann in solchen Wägen wie unten abgebildet mit Hand hoch transportiert werden. Die Partikel müssen mit dem Hammer zerkleinert werden und dann später nach Qualität sortiert werden.

 

Hier sieht man vor dem Eingang abgeschüftes. Die Metalle müssen nun noch per Hand nach Qualität aussortiert werden.

 

 

 

In solchen Wägen werden die abgebauten Rohstoffe abtransportiert. Diese werden auf Schienen von 2 Mitarbeitern in die Mine gefahren. Und zwar mehrere Kilometer ! was wiegt solch ein Wagen nun: leer 0,5t – mit Inhalt 1,5t.  Selbstverständlich habe ich mal versucht solch einen leeren Wagen zu schieben, was dabei herausgekommen ist sage ich lieber nicht.

 

 

 

So kroch ich in den engen Gassen durch die Mine. Ich habe mir bestimmt 10x den Kopf angeschlagen während des Durchlaufens – bestimmt neuer Rekord …  Im Laufe des Halbtagesausflugs bin ich auf Anfrage über 5km gelaufen.

 

dabei 6 Stollen tief runter. Klingt wenig war aber verdammt anstrengend. Bedenkt 4300m Höhe + in einer Mine. Man hat das Gefühl man erstickt fast. Sodass ich auch sichtlich erschöpft nach der Tour war und das nur durch Laufen. Die Vorstellung hier noch 6h zu arbeiten ist brutal.

 

 

 

Hier sieht man das “Wohnzimmer” der Arbeiter. Also der Ort an dem eine Pause eingelegt wird. 1x im Jahr treffen sich die Arbeiter an Fasching alle zusammen in der Mine und feiern dort zusammen ein Fest, deswegen auch die vielen Konfetti. Was auffällt sind erstens die vielen Cocablätter welche gegen die Höhe helfen und außerdem die vielen Flaschen Alkohol. Das Bild des Teufels ist denke ich auch aussagekräftig genug. Man sagte mir die Minenarbeiter wären sehr fleißig beim Kinderbekommen, deswegen das rechte Bild.

 

Hier handelt es sich nicht um ein paar Prozente sondern um sagenhafte 96 (!)% reinem Alkohol welcher von den Arbeitern pur getrunken werden da die Arbeit so leichter zu ertragen ist. Na dann Prost …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

mit blassem Gesicht und kaum Sauerstoff bei der Vorbereitung auf die Explosion im tiefsten Stollen 😉

 

Bei allem Elend konnte ich mir den Spaß einer Sprengung nicht verkneifen. Hier kann man sich einfach wie man in einem Supermarkt in Deutschland Lebensmittel kaufen kann Dynamit im ort kaufen. Soetwas wie einen Schein oder ähnliches benötigt man nicht.

 

Teil 1 Vorbereitung

 

Teil 2 Vorbereitung

 

Sprengung im Cerro Rico

 

Abschlussfoto: Endlich wieder Luft !  Ganz bekommen ist mir nicht alles. Abends beim Abendessen gabs erstmal so richtig ordentlich Kopfweh. Dennoch hat sich die Erfahrung gelohnt und lässt einen erstmal wieder etwas demütiger werden, dass man es vielleicht gar nicht so schlecht hat wie man es manchmal glauben möchte.

Trotz den abscheulichen Dingen in Europa die geschiehen bleibt dennoch festzuhalten. Es hätte einen vom Schicksal deutlich schlimmer treffen können. Dafür sollte man auch mal Dankbarkeit verspüren.

 

mehr Infos zu Potosi hier:

http://www.lai.fu-berlin.de/e-learning/projekte/caminos/kulturkontakt_kolonialzeit/kolonialzeit/silberminen_in_potosi/index.html 

https://de.wikipedia.org/wiki/Potos%C3%AD

 

Bergbau:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bergbau

 

Silbergewinnung:

http://www.lai.fu-berlin.de/e-learning/projekte/caminos/lexikon/silbergewinnung.html

 

Kinderarbeit in den Minen:

http://www.augsburger-allgemeine.de/community/profile/Maria_Birkmeir/Kinderarbeit-unter-Tage-Bergbau-in-Bolivien-id17256981.html

http://www.geo.de/reisen/community/bild/192544/Potosi-Bolivien-11-jaehriger-bei-der-Minen-Arbeit-in-Potosi-Bolivien